MGUS ist von klinischer Signifikanz.
Eine Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) ist durch das Vorhandensein eines monoklonalen Proteins im Serum asymptomatischer Personen gekennzeichnet. Die diagnostischen Kriterien für ein Multiples Myelom, eine AL-Amyloidose, Morbus Waldenström (MW), lymphoproliferative Erkrankungen, Plasmozytom oder verwandte Erkrankungen sind nicht erfüllt (Lesen Sie hier mehr).
MGUS wurde erstmals 1978 beschrieben¹. Die Bezeichnung wurde gewählt, weil ein Teil der Betroffenen im Verlauf zu einem Multiplen Myelom progrediert. Seither haben zahlreiche Publikationen gezeigt, dass MGUS eine klinische Signifikanz hat, selbst bei Patienten, die nicht zum Multiplen Myelom progredieren2.
MGUS wird in drei Haupttypen eingeteilt, basierend auf der Art des monoklonalen Proteins, das vom zugrunde liegenden Plasmazellklon produziert wird. Für alle drei Typen gilt: Das monoklonale Protein muss in den unten angegebenen Konzentrationen nachweisbar sein, der Anteil klonaler Knochenmarkzellen muss unter 10 % liegen und es dürfen keine der in der Spalte ‚Körperliche Symptome‘ beschriebenen klinischen Anzeichen vorliegen3.
Diagnostische Kriterien |
||||||
MGUS Patienten (%) |
Monoklonales Protein |
Tumorzellen |
Klinische Symptome |
Primäre Progression |
Jährliche Progressionsrate |
|
IgG-MGUS und IgA‑MGUS (bezeichnet als Nicht-IgM-MGUS) |
66% | Serum‑IgG oder IgA‑M‑ <30g/L |
<10% BMPC* |
keine CRAB‑Symptome** oder Amyloidose | Multiples Myelom, solitäres Plasmozytom, immunglobulinassoziierte Amyloidosen# |
1% |
IgM‑MGUS |
12% | Serum‑IgM M-Protein <30g/L |
<10% lymphoplasmatische Infiltration |
keine Anämie, konstitutionelle Symptome, Hyperviskosität, LO, HSM oder andere Endorganschäden | Morbus Waldenström (MW), immunglobulinassoziierte Amyloidosen# | 1,5% |
Leichtketten‑MGUS |
19% | Abnormales κ/λ-sFLC-Verhältnis erhöhte iFLC Urin-M-Protein <500 mg/24 h kein Nachweis intakter Immunglobuline in der Immunfixation (IFE) |
<10% BMPC |
keine CRAB‑Symptome* oder Amyloidose |
Leichtketten-Myelom, Leichtketten (AL-) Amyloidose | 0,3% |
*klonale Zellen im Knochenmark
**CRAB = Hyperkalzämie, Nierenfunktionsstörung, Anämie und Knochenläsionen
#Leichtketten (AL-) Amyloidose, Schwerketten (AH-) Amyloidose oder Schwer-/Leichtketten (AHL-) Amyloidose
Bestimmte Personengruppen weisen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer MGUS auf, darunter ältere Menschen, Männer, Personen afrikanischer Abstammung sowie Personen mit einer familiären Vorgeschichte Monoklonaler Gammopathien.
MGUS wird häufig als Zufallsbefund im Rahmen von Laboruntersuchungen entdeckt, die aus anderen klinischen Gründen durchgeführt werden. Dies liegt daran, dass MGUS in der Regel keine spezifischen Symptome verursacht, die gezielt zu einer Abklärung dieses klinischen Zustands führen würden.
Unabhängig davon, welche Form der Monoklonalen Gammopathie vermutet wird, erfolgt die initiale Diagnostik nach demselben Schema. Ziel der Erstdiagnostik ist der Nachweis eines monoklonalen Proteins. Leitlinien empfehlen hierfür die Kombination aus Freien Leichtketten im Serum (sFLC), Serumproteinelektrophorese (SPE) und Serum-Immunfixation (sIFE)10.
Ist der Nachweis eines monoklonalen Proteins erfolgt, schließt sich eine weiterführende Diagnostik an, um zu bestimmen, ob es sich um MGUS, SMM oder MM (oder eine andere, seltenere Form der Monoklonalen Gammopathie) handelt. Dazu gehören Untersuchungen der Nierenfunktion, des Blutbilds zur Erkennung einer Anämie, der Kalziumwerte, bildgebende Verfahren zum Nachweis möglicher Knochenläsionen sowie eine Knochenmarkbiopsie zur Bestimmung des Anteils klonaler Plasmazellen3,11-13.
"A rise in serum free light chain concentration may precede an increase in intact immunoglobulin concentrations and may be the first sign that a patient is progressing from MGUS to Multiple Myeloma14."
Warum ist MGUS klinisch signifikant?
Neben der möglichen Progression zu einem Multiplen Myelom oder einer anderen lymphoproliferativen Erkrankung können Patienten mit MGUS auch durch das monoklonale Protein bedingte Krankheitsbilder entwickeln. Auslösende Mechanismen können unter anderem Autoantikörper-Aktivitäten des monoklonalen Proteins, dessen Ablagerung in verschiedenen Geweben mit daraus resultierenden Organfunktionsstörungen sowie Veränderungen des Knochenmarkmikromilieus, die durch den zugrunde liegenden Zellklon verursacht werden, sein.
Diese pathologischen Veränderungen können zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, Osteoporose, Frakturen und thrombotischen Ereignissen führen. Patienten mit MGUS weisen zudem ein erhöhtes Mortalitätsrisiko auf – nicht nur aufgrund der Progression zum Multiplen Myelom oder anderen lymphoproliferativen Erkrankungen, sondern auch infolge bakterieller Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und Nierenfunktionsstörungen. Daher ist ein Monitoring essenziell, um solche Komorbiditäten frühzeitig zu erkennen und adäquat zu behandeln.
Ein regelmäßiges Monitoring von MGUS-Patienten ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Symptomen, die durch die Produktion des monoklonalen Proteins verursacht werden, und erlaubt eine bedarfsgerechte unterstützende Behandlung. Gleichzeitig kann eine mögliche Progression zum Multiplen Myelom früher festgestellt werden.
Wird die Progression zu einem Multiplen Myelom frühzeitig erkannt, kann die Therapie entsprechend früher eingeleitet werden. Dies verringert das Ausmaß der potenziellen Endorganschäden und verbessert das Patientenoutcome.
Patienten mit MGUS, die ein regelmäßiges Monitoring erhalten und progredieren, weisen zum Zeitpunkt der MM-Diagnose weniger Komorbiditäten auf als Patienten, ohne vorherige MGUS-Diagnose. Zudem zeigen sie eine längere mediane Gesamtüberlebenszeit.
Aktuelle Leitlinien empfehlen, das monoklonale Protein bei Erstdiagnose (Baseline) mittels Freien Leichtketten im Serum (sFLC) und Serumproteinelektrophorese (SPE) zu bestimmen. Anschließend sollen Patientinnen und Patienten – abhängig von der initialen Risikostratifizierung – entweder jährlich oder alle zwei bis drei Jahre ausschließlich mittels SPE gemonitored werden18.
Diese Leitlinien wurden zuletzt vor über 15 Jahren aktualisiert. Neuere Daten deuten darauf hin, dass ein jährliches Monitoring aller MGUS-Patientinnen und -Patienten mittels sFLC und SPE die beste Möglichkeit bieten könnte, eine Progression zum Multiplen Myelom frühzeitig zu erkennen.
Im folgenden Video erläutert Prof. C. Ola Landgren, Mitglied der International Myeloma Working Group, seine Empfehlungen zum Monitoring von Patientinnen und Patienten mit MGUS.
Prof. Landgren war leitender Autor einer Publikation, in der Evidenz für eine jährliche Testung einschließlich sFLC und SPE vorgestellt wurde, um Ärztinnen und Ärzten zusätzliche Informationen bereitzustellen und Patientinnen und Patienten zu identifizieren, bei denen eine Progression zum Multiplen Myelom stattfindet.
Eine Monoklonale Gammopathie, die nicht die diagnostischen Kriterien einer aktiven malignen Erkrankung wie das Multiple Myelom, die AL-Amyloidose oder Morbus Waldenström erfüllt, jedoch Organfunktionen beeinträchtigt, wird als Monoklonale Gammopathie klinischer Signifikanz (MGCS) bezeichnet. Zu den häufigsten Formen gehören die Monoklonale Gammopathie renaler Signifikanz (MGRS) und die Monoklonale Gammopathie neurologischer Signifikanz (MGNS).
Für Ärzte und Ärztinnen, welche das klinische Follow-up von MGUS-Patienten übernehmen, ist es essenziell, die Monoklonalen Gammopathien klinischer Signifikanz zu kennen, um entsprechende Symptome frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf eine gezielte Therapie einleiten zu können.
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